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Die Sprachentwicklungsverzögerung (SEV)
WIE VERLÄUFT DIE NORMALE SPRACHENTWICKLUNG?
Kinder lernen im Rahmen des normalen Spracherwerbs bis zum vierten Lebensjahr die wichtigsten Regeln ihrer Muttersprache. Sie filtern aus dem umfangreichen Angebot sprachliche Strukturen heraus und verarbeiten sie.
Ab ca. 18 Monaten werden einzelne Wörter aneinander gereiht („Mama Arbeit“, „Leo Brot haben“). Im Laufe der nächsten 1½ Jahre lernen sie zwischen Einzahl und Mehrzahl zu unterscheiden, verwenden passende Artikel und stimmen sowohl Subjekt und Prädikat („Ich esse Brot.“) als auch Eigenschaftswörter und Hauptwörter aufeinander ab („Du isst ein gutes Brot.“). Mit 3½ Jahren werden auch komplexe Nebensätze gebildet („Ich kann nicht einschlafen, weil ich noch so durstig bin.“). Mit vier Jahren sollte ein Kind eigentlich Sätze bilden können wie ein Erwachsener. Ebenso sollte es alle Laute richtig aussprechen können.

Dies gelingt einigen Kindern nicht, wodurch ihre sprachlichen Fähigkeiten nicht ihrem Alter entsprechen. Es kann sich um eine rein zeitliche Verzögerung oder um eine Schwäche der zentralen Verarbeitung handeln, weshalb die entsprechenden Regeln nicht entwickelt werden können.


WAS SIND DIE MERKMALE VERMINDERTER SPRACHLICHER FÄHIGKEITEN?
Verminderte sprachliche Fähigkeiten zeigen sich auf grammatikalischer und/oder lautlicher Ebene sowie im Bereich des Sprachverständnisses.
Betroffene Kinder bilden nur einfache Sätze, wobei Unsicherheiten in der richtigen Wortstellung auftreten. Häufig werden einzelne Satzstrukturen ausgelassen bzw. nicht verwendet. Auslassungen von Hilfsverben und Artikeln sowie falsche Bildung der Mehrzahl sind charakteristisch. Außerdem ist die Differenzierung von Fällen meist inkorrekt, Regeln der Wortbildung und des Satzbaues werden nicht oder nur teilweise beherrscht.
Zusätzlich können Schwierigkeiten beim Ausführen von Aufträgen auftreten, sofern keine gestische Unterstützung erfolgt.
Lautlich kann es zu Auslassungen, Vertauschungen oder zu fehlerhafter Aussprache einzelner oder mehrerer Laute (Bsp.: "Lispeln") kommen, so dass das Kind für Fremde schwer verständlich ist.


WELCHE URSACHEN KÖNNEN ZU EINER SEV FÜHREN?
Wahrnehmungsschwäche
Schwerhörigkeit
erbliche Sprachschwäche
psychosoziale Faktoren
Hirnschädigung


WIE KÖNNEN SIE IHR KIND SPRACHLICH FÖRDERN?
Eine wichtige Voraussetzung für die Sprachentwicklung Ihres Kindes ist Ihre eigene Freude und Ihr Interesse an den Erlebnissen, Erfahrungen und Fortschritten Ihres Kindes. Eine Ihrer wesentlichen Möglichkeiten, Sprache zu fördern, ist, mit Interesse zuzuhören, was Ihr Kind sagt.
Nutzen Sie so oft wie möglich die Gelegenheit zum Gespräch mit Ihrem Kind! Sprechen Sie mit ihm über alles, was es umgibt oder was in seiner Umgebung geschieht. Auch gemeinsame Tätigkeiten können Sie sprachlich begleiten.
Einfache Spiele (Einkaufen, Memory, Puppen spielen, ...) bieten Gelegenheit, Ihrem Kind einfache grammatikalische Merkmale anzubieten: „Ich nehme Milch – du nimmst Mehl“. „Ich kaufe einen Apfel – du kaufst zwei Äpfel“.
Sprechen Sie zu Ihrem Kind in normaler Umgangssprache (keine "Babysprache"!), in kurzen, einfachen Sätzen und nicht überhastet
Lachen Sie Ihr Kind nicht aus, wenn es Fehler macht, sollte es auch noch so lustig klingen.
Korrigieren Sie die Fehler Ihres Kindes nicht, sondern verstärken Sie seine Äußerungen, indem Sie das Gesagte richtig wiederholen.
Bsp.: Kind: Katze da! Erw.: Ja, da sitzt eine Katze.
Kind: Auto weg! Erw.: Ja, das Auto fährt weg.
Fordern Sie Ihr Kind nicht zum Nachsprechen auf, sondern helfen Sie ihm, die Funktion der Sprache zu entdecken: mit Sprache können wir z.B. Wünsche und Bedürfnisse äußern, Änderungen bewirken, Zustimmung oder Ablehnung ausdrücken.
Geben Sie Ihrem Kind Zeit, sich sprachlich auszudrücken! Versuchen Sie, es so wenig wie möglich zu unterbrechen.
Wecken Sie in Ihrem Kind Freude am Sprechen, indem Sie Klatschen oder pantomimische Bewegungen, Kinderlieder und Reime in das gemeinsame Spiel einfließen lassen (z.B. "Hoppa, hoppa Reiter", "Backe, backe Kuchen", "Wer will fleißige Handwerker sehen").
Erzählen Sie Geschichten, die mit Fingerpuppen oder Kasperlfiguren nachgespielt werden können. Sie helfen Ihrem Kind dadurch, Inhalte besser zu verstehen und aufzuarbeiten.
Achten Sie in der Kommunikation mit Ihrem Kind immer darauf, dass es Ihren Blickkontakt erwidert. Wenn Ihr Kind nur auf etwas zeigt, drücken Sie seine Beobachtungen oder Wünsche auch sprachlich aus.
Geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit zum Gespräch mit anderen und die Gelegenheit zum Spiel mit Gleichaltrigen.
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Kind sich sprachlich altersentsprechend entwickelt, lassen Sie es HNO-fachärztlich abklären (Abklärung des Hörvermögens in jedem Alter) und von der Logopädin (Abklärung des Sprachentwicklungsstandes in jedem Alter) untersuchen. So können Sie individuell beraten werden und bei Bedarf kann eine frühzeitige Behandlung in Form von Verlaufskontrollen oder einer Sprachtherapie eingeleitet werden.
Haben Sie Geduld mit Ihrem Kind. Jedes Kind entwickelt sich individuell - vielleicht braucht gerade I h r e s etwas mehr Zeit.

WAS BEINHALTET DIE LOGOPÄDISCHE THERAPIE BEI EINER SEV?
Nach einer umfassenden Diagnostik wird in der logopädischen Therapie versucht, spielerisch den nächsten sprachlichen Entwicklungsschritt zu bahnen.

Dies umfasst einerseits das freie Spiel, um das Verständnis von Sprache in vielen unterschiedlichen Situationen zu verbessern, viele neue Wörter oder grammatikalische Strukturen anbieten zu können, aber auch das Training einzelner, fürs Sprechen notwendiger Muskeln.

Darüber hinaus zählen auch Maßnahmen zur Förderung der allgemeinen Entwicklung und Wahrnehmung zur Grundlage einer logopädischen Therapie.

© Berufsverband logopädieaustria

Weitere Informationen erhalten Sie beim:   Berufsverband logopädieaustria
                                                               Sperrgasse 8-10, 1150 Wien
                                                               T + F 0699 / 126 967 34
                                                               office@logopaedieaustria.at oder www.logopaedieaustria.at 

Zugunsten der einfacheren Lesbarkeit wurde im Text auf eine geschlechtergerechte Formulierung entsprechend der deutschen Rechtschreibregeln verzichtet.

Dieses Informationsblatt vermittelt Grundlegendes über die Sprachentwicklungsverzögerung, individuelle Beratung bzw. spezifische logopädische Therapie erhalten Sie bei einer LogopädIn und Ihrer behandelnden ÄrztIn.