TherapeutInnen Suche
Stellenangebote
Impressum
Login
Lese-Rechtschreibschwäche (LRS)
WAS IST EINE LESE-RECHTSCHREIBSCHWÄCHE?
Die Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) ist der Oberbegriff für alle Lernstörungen, die im Zusammenhang mit dem Erwerb von Schriftsprache stehen.
Trotz großem Einsatz und Fleiß verbessern sich häufig die Symptome kaum, da dem Kind grundlegende Voraussetzungen für das Erlernen von Lesen und Schreiben fehlen.
Voraussetzungen für den Schriftspracherwerb sind entsprechende Fähigkeiten im Bereich der Wahrnehmung, Motorik und Sensorik (z.B.: Hören, Sehen usw.), sowie deren Integration. Diese Fähigkeiten entwickeln sich vorwiegend in den ersten sechs Lebensjahren. Schwächen oder Störungen in einzelnen Bereichen (Teilleistungsschwächen) können zu Schwierigkeiten beim Erwerb von Sprache und Schriftsprache führen.

Die Legasthenie ist eine Sonderform der LRS. Kennzeichnend ist eine durchschnittliche bis überdurchschnittliche Intelligenz und eine auffallende LRS, wobei die übrigen Lernleistungen unbeeinträchtigt sind.
Wie kann sich eine Lese-Rechtschreibschwäche äußern?
Die Erscheinungsformen einer LRS sind sehr vielfältig. Häufige Primärsymptome betreffen:

Rechtschreibung
Spiegelbildlich geschriebene Buchstaben (q - p, d - b, n - u)
Falsche Buchstabenreihenfolge (Bort statt Brot usw.)
Buchstabenverwechslungen (Tanne statt Kanne), Buchstabenauslassungen ("Grten" statt "Garten")
Hinzufügung von Buchstaben (dicker statt dick)
Verwechslung von „harten“ und „weichen“ Konsonanten (t - d, p - b, k - g)
Sehr undeutliches Schriftbild
Rechtschreibfehler beim Abschreiben

Lesen
Sehr verlangsamtes Lesetempo
Holpriges, unrhythmisches Lesen
Fehlendes Lese-Sinnverständnis
Verwechslung der einzelnen Buchstaben (d - b, ei - ie, m - w)

Allgemein
Ähnlich klingende Laute können nicht voneinander unterschieden werden
Unterschiede in der Raumlage werden nicht wahrgenommen
Gehörtes kann nur schwer behalten werden
Gesehenes kann nur schwer behalten werden
Fehlerhafte rechts - links Unterscheidung
Gleichgewichtsprobleme
Schwierigkeiten in der Feinmotorik (schlecht leserliches Schriftbild) oder Koordinationsfähigkeit

Als Sekundärsymptome einer LRS lassen sich immer wieder Verhaltensauffälligkeiten und andere Begleiterscheinungen feststellen wie z.B.:
Nervosität
Konzentrationsstörungen
Vermeidungsverhalten
Wutausbrüche und Aggressivität
Psychosomatische Beschwerden
Selbstwertproblematik
Schulangst
Langsame Arbeitsweise wie auch stundenlanges Arbeiten an den Hausaufgaben


WELCHE URSACHEN KÖNNEN EINER LESE-RECHTSCHREIBSCHWÄCHE ZUGRUNDE LIEGEN?
Wahrnehmungsauffälligkeiten (z.B. zentrale auditive Wahrnehmungsstörung, visuelle Wahrnehmungsdefizite oder beeinträchtigte Augenmotorik, sensomotorische Defizite)
Prä-, peri- und postnatale Einflüsse (z.B. Sauerstoffmangel bei der Geburt, Frühgeburt oder Risikoschwangerschaft)
Milieunahe Faktoren (z.B. anregungsarme Umgebung, überhöhte Leistungsanforderung, zu frühe Einschulung, ...)
Schulische Faktoren (z.B. mehrfacher Lehrerwechsel, hoher Leistungswettbewerb, ...)
Entwicklungsfaktoren (z.B. verzögerte motorische Entwicklung, verzögerte Sprachentwicklung, ...)
Psychosozial bedingte Auffälligkeiten (z.B. Hyperaktivität,  Motivationsprobleme, geringe Frustrationstoleranz, Gedächtnismängel, ...)


WIE KÖNNEN SIE IHREM KIND HELFEN?
Akzeptieren Sie, dass Ihr Kind eine LRS hat.
Versuchen Sie Geduld zu haben.
Geben Sie Ihrem Kind wenn nötig Hilfe, nehmen Sie ihm aber nicht alles ab.
Schaffen Sie für die Hausaufgaben oder Übungen eine reizarme Umgebung (kein Radio, ...).
Fördern Sie das Mitsprechen beim Schreiben.
Ermuntern Sie Ihr Kind laut zu lesen.
Geben Sie kleine und kontinuierliche Lerneinheiten mit klarer Zeiteinteilung vor.
Achten Sie auch darauf, dass zwischen den Lerneinheiten Erholungsphasen eingehalten werden (Ruhe oder körperliche Aktivität).
Denken Sie daran, dass Ihr Kind viele Fähigkeiten besitzt, für die es auch gelobt werden soll! Die LRS soll nicht zum Lebensmittelpunkt werden.


WAS BEINHALTET DIE LOGOPÄDISCHE THERAPIE EINER LESE-  RECHTSCHREIBSCHWÄCHE?
Nach entsprechender Abklärung durch eine Fachperson können Therapie- bzw. Übungsschwerpunkte festgelegt werden.
Mögliche Übungsbereiche können sein: die Verbesserung von auditiven Wahrnehmungsfähigkeiten (z.B.: genaues Hinhören, Merken von Gehörtem), Verbesserung von visuellen Wahrnehmungsfähigkeiten (z.B.: Merken von Gesehenem, räumliches Vorstellungsvermögen), Konzentrationsübungen und Koordinationsübungen.
Wichtig ist vor allem die Zusammenarbeit zwischen Eltern, TherapeutInnen, PädagogInnen und PsychologInnen.


Literatur
Legasthenie - so helfe ich meinem Kind, Herbert Schwinghammer
 
Der legasthene Mensch, Dr. Astrid Kopp-Duller
 
Legasthenie - umschriebene Lese-Rechtschreibstörung, Dr. Edith Klasen
 
Praxisbuch Legasthenie, Elisabeth Benz, Schubi Verlag

© Berufsverband logopädieaustria

Weitere Informationen erhalten Sie beim:   Berufsverband logopädieaustria
                                                               Sperrgasse 8-10, 1150 Wien
                                                               T + F 0699 / 126 967 34
                                                               office@logopaedieaustria.at oder www.logopaedieaustria.at 

Zugunsten der einfacheren Lesbarkeit wurde im Text auf eine geschlechtergerechte Formulierung entsprechend der deutschen Rechtschreibregeln verzichtet.

Dieses Informationsblatt vermittelt Grundlegendes über die Lese-Rechtschreibschwäche, individuelle Beratung bzw. spezifische logopädische Therapie erhalten Sie bei einer LogopädIn und Ihrer behandelnden ÄrztIn.