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Die erworbene Sprachstörung (Aphasie)
Die Aphasie ist eine Sprachstörung, die als Folge einer Erkrankung oder Verletzung des Gehirns auftreten kann. Ein Schlaganfall, eine Gehirnblutung oder z.B. ein Schädelhirntrauma (SHT) kann also die Ursache dafür sein, dass der Betroffene die Sprache nicht mehr wie gewohnt verwenden kann. Es können Schwierigkeiten beim Sprechen, im Sprachverständnis und/oder beim Lesen und Schreiben auftreten. Eine Aphasie kann den Menschen in verschiedenen Formen und Schweregraden betreffen und sie kann sich auch verändern. Manchmal wird die Aphasie von einer Störung der Bewegung, der Rechenfähigkeit und/oder des Handlungsablaufs oder des Erkennens begleitet. Auch die Fähigkeit zu artikulieren und zu schlucken, kann erschwert sein.

Häufig werden auch Veränderungen der Persönlichkeit und des sozialen Verhaltens beobachtet. Aphasien haben oft dramatische Änderungen der Lebensverhältnisse zur Folge: Menschen mit Aphasie können meist ihren alten Beruf nicht mehr ausüben und private Kontakte verringern sich.

Eine Aphasie ist weder eine Denkstörung noch eine geistige Behinderung, sondern eine Sprachstörung, die überwiegend bei Erwachsenen auftritt.

WAS SOLLTEN SIE ALS GESPRÄCHSPARTNERIN BEACHTEN?
Der Betroffene braucht mehr Zeit für seine Äußerungen. Nehmen Sie sich daher die Zeit zum Zuhören und unterbrechen Sie ihn nicht. Versuchen Sie abzuwarten,   ob Sie den Sinn des Gesprochenen aus weiteren Äußerungen verstehen können.
Das Sprechen ist nur eine Form der Kommunikation. Beachten Sie daher auch Körpersprache, Mimik und Gestik sowie Tonfall.
Achten Sie auf den Inhalt, auch wenn die Mitteilungen fehler- oder lückenhaft
sind. Aphasiker verwenden oft ähnliche Wörter, um etwas Bestimmtes
auszudrücken. Aufmerksames Zuhören und Mitdenken kann zum beabsichtigten Wort führen.
„Sprechen steckt an!" Warten Sie jedoch mit eigenen Wortvorschlägen, um
der/dem Betroffenen nicht sofort „ins Wort zu fallen".
Beobachten Sie die Reaktion der/dem Betroffenen, um festzustellen, ob sie/er
Sie wirklich versteht.
Eine laute Umgebung erschwert das Verstehen!
Schaffen Sie Ruhe und sorgen Sie für möglichst wenig Hintergrundgeräusche (z.B. Radio, Fernseher, ...). Setzen Sie nicht-sprachliche Signale ein (z.B. Tonfall, Körpersprache, Mimik, Gestik, Bildmaterial, ...).
Verändern Sie die Formulierung, wenn Sie von der AphasikerIn nicht verstanden werden (wählen Sie z.B. ein anderes Wort).
Sprechen Sie ruhig, nicht zu schnell und/oder zu laut.
Sprechen Sie in einfachen und kurzen Sätzen und legen Sie Pausen ein.


WAS BEINHALTET DIE LOGOPÄDISCHE THERAPIE BEI APHASIE?
Nach umfassender Befunderhebung und –besprechung werden die entsprechenden individuell abgestimmten Therapiemaßnahmen eingeleitet:
Verbesserung von Wahrnehmung, Konzentration und Ausdauer
Verbesserung des Sprachverständnisses
Verbesserung der Sprachproduktion (Artikulation, Wortfindung, ...)
Verbesserung der Schriftsprache (Lesen und Schreiben)
Verbesserung der grammatikalischen Struktur
Erarbeiten von Umwegstrategien (Einsetzen von nicht-sprachlichen Signalen)
Angehörigenberatung
Das Ziel der logopädischen Therapie bei Patienten mit Aphasie ist die Verbesserung der Kommunikation. Hilfreich dabei ist eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit mit PhysiotherapeutInnen, ErgotherapeutInnen und NeuropsychologInnen.

Links
Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e.V.
 
Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Aphasie
 
Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe
 
Schlaganfall Medizinhilfe - Schlaganfall-Nachsorge / umfassende Informationen, Hinweise zur Pflege zu Hause, Datenbank zu Medizin-Ressourcen im Internet
 
Hirnleistungstraining per Computer, Software - Therapieprogramme

LITERATUR
Selbsthilfe; Fachliteratur für Interessierte
Warum hat mir das niemand vorher gesagt? (Erfahrungen jugendlicher Patienten): EKN-Materialien für die Rehabilitation, Band 4, 1993
 
Schlaganfall-Ein Ratgeber: Aichner, F.; Holzer, E.; Springer 1996
 
Aphasie – Sprachverlust. Ein Informationsblatt für Betroffene und deren Angehörige, für Betreuer, Pflegepersonal, Sozialdienste und andere Interessierte:   Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Aphasie SAA, Geschäftsstelle,  CH-6204 Sempach; 2. Auflage
 
Aphasie. Kommunikation zwischen Partnern (1986): Schriftenreihe der Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte, Band 240, Kirchfeldstraße 149,   Düsseldorf
 
Schlaganfall: Diehm ,C.; Serie Piper Gesundheit 2001
 
Sprachstörungen: Huber, W.; Poeck, K.; Springer, L.; Trias 1991
 
Leben nach einem Schlaganfall: Huemer-Drobil, B.; Kletterer, G. & Langbein, L.; Kiepenhauer & Witsch, Köln 1987
 
Dem Schlaganfall vorbeugen: Krämer, G.; Trias 1993
 
Sprachverlust nach Schlaganfall: Kroker, I.; Verlag für Medizin G. Fischer, Heidelberg 1990
 
Das Schweigen verstehen: Lutz, L.; Springer Verlag 1993, Neuauflage 1996
 
Der Schlaganfall: Mäurer, H-C.; Trias 1991
 
Locked In – Gefangen im eigenen Körper: Pantke, K.-H.; Mabuse Verlag 1999
 
Aphasie. Leben mit dem Sprachverlust: Parr, S.; Urban&Fischer 1999
 
Schlaganfall: Soyka, D.; Gustav Fischer 1995
 
Mit Aphasikern leben: Taylor, M.; Reinhardt 1991
 
Herzinfarkt und Schlaganfall: Vollmer, H.; Ehrenwirth, Baumann 1995


Literarische Verarbeitung von Aphasie
Schmetterling und Taucherglocke: Bauby, J.-D.; Paul Zsolnay Verlag Wien 1997
 
Die Blitze des Zeus: Baursch, E.; Buchverlag Andrea Schmitz, Overath 1992
 
Abenteuer im Dschungel des Gehirns; Der Fall Doris: Feldenkrais, M.; Suhrkamp 1981
 
Eisland: Fischer, Ch.; Edition Hans Erpf, Bern-München 1992
 
3 + 4 = 8 Vergraben und verschüttet sind meine Worte: Grewe, U.; Steiner Verlag 1997
 
Am Anfang - Am Ende. Gespräche mit Hiob. Erlebnisse nach einem Hirnschlag: Kägi, U.; Rothenhäusler Verlag Stäfa, Zürich 1990
 
Der Verlust: Lenz, S.; Hoffmann & Campe 1981
 
Der Mann, dessen Welt in Scherben ging: Luria, AR.; Rowohlt 1991
 
Mein Jahr draußen: McCrum, R.
 
Ein Aphasiker erlebt seine Rehabilitationa: Micheleit, B.; Reha 1986
 
Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte: Sacks, O.; Rowohlt 1989
 
Bis auf den Grund des Ozeans: Tavalaro, J.; Tayson, R.; Herder Verlag
 
Katze fängt mit S an: Tropp Erblad, I.; Fischer 1994


Zeitschriften für Betroffene
Pfifikus: Informationsblatt der Schweizerischen Vereinigung für Aphasiker. Aphasikergruppe Zürich (Hrsg). 4x jährlich
 
Aphasie und Schlaganfall: Organ des Bundesverbandes für die Rehabilitation der Aphasiker e.V. 97080 Würzburg, Robert-Koch-Straße 34

© Berufsverband logopädieaustria

Weitere Informationen erhalten Sie beim:   Berufsverband logopädieaustria
                                                               Sperrgasse 8-10, 1150 Wien
                                                               T + F 0699 / 126 967 34
                                                               office@logopaedieaustria.at oder www.logopaedieaustria.at

Zugunsten der einfacheren Lesbarkeit wurde im Text auf eine geschlechtergerechte Formulierung entsprechend der deutschen Rechtschreibregeln verzichtet.

Dieses Informationsblatt vermittelt Grundlegendes über die erworbene Sprachstörung, individuelle Beratung bzw. spezifische logopädische Therapie erhalten Sie bei einer LogopädIn und Ihrer behandelnden ÄrztIn.